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Blumentopf - Holunder zwischen Bar & Toilette

Blumentopf - Holunder zwischen Bar & Toilette

Im November steht Holunder vom Blumentopf wieder auf der Bühne und tourt mit seinen Kollegen als "Freestyle Pros" quer durchs ganze Land, ohne sich dabei den Mund fusselig zu reden. Denn in dem was er tut, ist er gut, wie kaum ein anderer. Auf dem Rückweg von einem seiner Gigs haben wir unter anderem mit ihm darüber gesprochen, wie er Musik, Skateboarding und die Physik unter einen Hut bekommt. Weil das noch nicht alles ist, verlosen wir 3x2 Tickets zur Live-Freestyle Tour im November! Zum Gewinnspiel!

Wo bist du gerade und was hast du die letzten 3 Tage gemacht?
Ich sitze grade im ICE zurück nach München. Vorgestern waren wir mit Blumentopf auf dem „Spack“ Festival in Wirges im Westerwald, von dort bin ich weiter ins Rheinland um die Familie meiner Freundin zu besuchen und heute geht’s wieder zurück nach Hause. 

Wie sieht ein "normaler" Tagesablauf von dir aus?
Wenn an einem normalen Tag unser Wecker klingelt ist meine Tochter schon wach und lacht mich erstmal an, wenn ich die Augen aufmach. Sie bekommt dann erstmal noch ne frische Windel von mir während ich vollends aufwache. Frühstück ist bei mir meistens nur Coffee to go, denn dann fahr ich direkt mit der U-Bahn nach Garching zur TU an meinen Uni-Arbeitsplatz. Unterwegs hab ich Zeit zur Zeitungslektüre oder versuche mit mp3-player und Beats noch ein paar Zeilen zu schreiben. Abends geht dann entweder direkt von der Uni ins Topf-Studio, wo wir grade an der neuen Platte arbeiten, oder nach Hause für gemütlichen Familienabend oder Text schreiben.

Die anderen Jungs vom Topf waren alle mit Soloprojekten unterwegs, wie hast du die Zeit seit Musikmaschine verbracht?
Hauptsächlich war ich die letzten drei Jahre mit meiner Biophysik – Doktorarbeit beschäftigt, die ich dieses Jahr noch zu Ende bringen möchte. Das ist schon ein full-time Job, da hatte ich nebenher jetzt kein Bedürfnis mehr auch noch eine Soloplatte zu machen. Als frischgebackener Papa möchte ich natürlich noch möglichst viel Zeit für unsere kleine Familie haben. 

Wird man von dir auch irgendwann Solomaterial zu hören bekommen?
Ich denke, ich kann mich da auch innerhalb der Band genug austoben, bis jetzt waren ja auf jedem Blumentopf Album auch einige Sololieder dabei. Sollte ich nächstes Jahr allerdings als Physiker nicht direkt nen guten Job finden, wer weiß – vielleicht empfiehlt mir ja dann das Arbeitsamt die Gründung einer Ich-AG als Solorapper.

Was kann man vom neuen Topf-Album erwarten, musikalisch-experimentelle Weiterentwicklung oder Back to the Roots Hip-Hop?
Es ist gerade noch zu sehr im Entstehungsprozess um da schon ne Richtung festzulegen, momentan sind eher die rotzigen, dreckigen Beats hoch im Kurs. Was dann am Schluss alles auf der Platte landet, mal sehen. 

Nach 5 Alben, Touren und etlichen Live Konzerten. Freut man sich da wieder mal auf Tour zu gehen?
Live spielen ist immer super, davon kann man eigentlich nie genug bekommen. Im November gehen wir ja auf Freestyle Tour, das ist natürlich doppelt spannend und auch noch mal ne echte Herausforderung auf die man sich freut.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen eine Freestyle Tour zu machen?
Die ausgedehnte Freestylesession war schon immer fester Bestandteil unserer Konzerte und für mich persönlich auch immer der heimliche Höhepunkt. Wenn die Freestyles gut waren, war es für mich auch ein gutes Konzert, wenn man das aber vergeigt ist man nach der Show immer etwas unzufrieden. Wir waren ja vor einigen Jahren als Gäste auf der Main Concept Freestyletour mit dabei und das hat wirklich sehr viel Spaß gemacht. Seitdem wissen wir, dass so eine Tour gut funktionieren kann und wir hatten einfach mal Bock, das auch selber mal zu machen. Es ist ja doch noch mal was anderes, wenn man einfach jeder so lange drauflosrappen kann wie er will, ohne dass man am Schluss deswegen drei Songs streichen muss wie auf nem Festivalgig.  

Ist dein Skateboard auch im Gepäck?

Definitiv. Die Stunden zwischen Soundcheck und Auftritt sind das optimale Zeitfenster um rollen zu gehen, vor allem jetzt wo ich zu Hause kaum noch dazu komme.

Du bist „Skater, Musiker und Physiker in einem“, wie lassen sich alle drei Dinge verbinden?
“Wie ich das alles unter einen Hut kriege verrat ich nicht…“ Zum Glück kann ich mir bei der Promotion die Arbeitszeit relativ flexibel einteilen. Meine Bandkollegen nehmen da auch ziemlich viel Rücksicht, so dass ich das schon noch irgendwie gebacken kriege und auch noch mal ne Stunde aufs Brett komme.
 
Was hat skaten und Musik für dich miteinander zu tun?

Keine Regeln, und selber machen ist noch viel besser als zuschauen/anhören!

Welche Musik hörst du beim Rollen?
Wenn ich draußen bin gar keine, ich bin so kurzsichtig, dass ich die Fahrgeräusche zur Orientierung brauche. Mit Kopfhörern fühl ich mich beim fahren viel zu weit weg von allem was passiert und denk, ich überseh gleich ein Auto.

Eignet sich Topf-Musik vom neuen Album als Kopfhörersound beim Shredden und Skaten?

Wir mischen da noch extra Hupen und Reifenquietschen von links hinten rein…

Stimmt es, dass du einen Decksponsor hast und sogar ein eigenes Signature Brett hast?

Ja, ich habe ein Longboard Model von Cannaboard bekommen, wofür mir Matt von den unitedskateboardartists eine schicke Grafik gebastelt hat. Momentan ist der Chef aber schwer zu erreichen, ich brauch unbedingt mal seine neue Handynummer. 

Wenn du uns die Länge verrätst dann geben wir sie dir!
Ca. 105 cm, ein wirklich schönes Shape!

Welchen Trick würdest du gerne können, kannst ihn aber aus irgendwelchen Gründen nicht?

Frontside Stalefish, den konnte ich nie und bin mittlerweile auch definitiv zu unbeweglich. Wenn den jemand richtig macht hat der schon unwahrscheinlich viel Style. 

Was für einen Verschleiss an Decks hast du im Monat? früher/heute
!
Im Monat ist gut, frag lieber im Jahr! Ich hab auch früher versucht jedes Deck mindestens 2-3 Monate zu fahren, sonst wird’s einfach viel zu teuer. Der Vorteil an den Cannaboard Decks ist ja, dass sie nicht brechen, deshalb fahr ich mit denen schon ein halbes Jahr. Bei Holz-Longboards muss man sich mit Tricks wie Lipslides zurückhalten, sonst brechen die auch gerne am ersten Tag. 

Stimmt es, dass du dir früher die Klamotten zum Skaten selbst genäht hast?

Das stimmt, ich hab nie eingesehn für Baggypants 100 DM und mehr auszugeben, den Jeansstoff gabs für nen Zehner und dann konnte man die Dinger auch wirklich so weit nähen wie man sie haben wollte. 

Mit welchem Schuh hast du deinen ersten Ollie gemacht und was war dein erstes Set Up?
Meine ersten richtigen Skateschuhe waren Airwalk VICs, die grauen mit den großen Stofflappen zum über die Schnürsenkel klappen. Nach dem das Komplettboard aus der Metro beim ersten Sprung über die Jumpramp gebrochen ist war mein erstes „richtiges“ Deck ein Jeff Kendall von Santa Cruz, mit Indy Achsen und 66er Bullets. Bei den Indies bin ich bis heute geblieben, das sind für mich einfach die besten Achsen.   

Was ist dein Favourite Skatespot?
Momentan der Keyhole-BowlPark am Fasaneriesee in München. Freuen werde ich mich auch, wenn die Minirampe am Münchner Feierwerk nächstes Jahr wieder aufgebaut wird. 

Mit welchem Pro würdest du gerne mal nach einer entspannten Session ein Bierchen zwitschern?
Marc Gonzales, ist der noch offiziell Profi? 

Auf welchen Videopart freust du dich am meisten?

Ich freu mich immer besonders wenn ich nen neuen Part von Dennis Busenitz seh. Es ist einfach cool, dass es einer von denen, die man vor über fünfzehn Jahren noch auf den Contests um die Ecke gesehen hat, so weit gebracht hat. Der rast auch immer so, das sieht gut aus.

Was hältst du von dem Wechsel von Eric Koston von Lakai zu Nike SB?

Fragst Du jetzt, weil er damit von einer credibilen Skatecompany zu einem kommerziellen Großkonzern wechselt? Geld verdienen müssen die Firmen am Ende des Tages alle, und Koston darf sowieso alles. Ich finds Hammer, wie lang der jetzt schon auf so nem krassen Niveau fährt und freu mich, ihm noch möglichst lang dabei zusehen zu dürfen, egal mit welchem Schuh am Fuß.      

Wie oft in der Woche trinkst du Bionade "Holunder"?
Gar nicht, mein Favorit ist Ingwer-Orange.

Was sagst du zum Wahljahr 2009? Bist du bisher zufrieden? Und was denkst du, was mit der Bundestagswahl im September auf uns zukommen wird?

Unzufrieden bin ich insofern, dass ich denke, einiges an Blödsinn wäre uns vielleicht erspart geblieben wenn nicht schon Wahljahr wäre. Unüberlegte Schnellschüsse wie die Abwrackprämie,  die zu allem Hohn dann auch noch „Umweltprämie“ genannt wurde, sind leider alles andere als durchdacht und zukunftsweisend  und einfach zu ärgerlich. Der Wahlkampf ist bisher in etwa so spektakulär wie es dem Naturell der Spitzenkandidaten und der Konstellation einer großen Koalition entspricht. Ich halte die Wahrscheinlichkeit für recht groß, dass es nach der Wahl weder für schwarz/gelb noch für rot/grün eine Mehrheit gibt. Dann können sich interessante neue Konstellationen ergeben. 

Machst du dir Gedanken oder Sorgen um die Zukunft der Musikbranche, und kannst die die „Download Scheiße“ immer noch nachvollziehen?

Um die Musikbranche an sich mache ich mir keine Sorgen. Fast alle Menschen wollen auch weiterhin gute Musik hören und wer die macht wird auch weiterhin damit Geld verdienen können. Es findet momentan ein Umbruch statt, die Plattenverkäufe spielen wegen der kostenlosen Verfügbarkeit von Musik im Netz einfach nicht mehr die dominierende Rolle. Damit haben natürlich die Labels ihre Probleme, weil sie jetzt gezwungenermaßen ihr Geschäftsmodell an die neue Situation anpassen müssen. Für die Künstler haben die ganzen Musikdownloads aus meiner Sicht sogar mehr Vorteile als Nachteile. Denn wie viele von denen, die sich ein Album runterladen, hätten es auch wirklich gekauft? Und wie viel Prozent vom Kaufpreis landet denn tatsächlich beim Künstler? Was gibt es auf der anderen Seite besseres für den Künstler, als dass möglichst viele Leute seine Musik hören? Und jedes gesaugte Album ist letztlich Werbung, um Fans für das nächste Livekonzert zu motivieren, an dem der Künstler dann auch einen fairen Teil der Eintrittspreise als Gage bekommen kann.  
 
Welche Bretter bedeuten denn jetzt die Welt für dich?

Die vorm Kopf, von denen man sich befreien konnte.

Wenn Holunder nicht gerade der Uni nachgeht oder seiner Rolle als firschgebackener Papa gerecht wird steht er mit seinen Kollegen Roger, Cajus, Schu und Sepalot auf der Bühne.
Dass die Menge, wie hier auf dem Splash mit 20.000 Besuchern bei dem Song "Party Safari" durchdreht ist dann keine Seltenheit!

 
Zwischen den Tourstops wird die Zeit für Sinnvolles genutzt:

 
Blumentopf "Freestyle" Tourdaten
 
06.11.09 Regensburg, Suite 15
07.11.09 A - Timmelkamm, Mosquito
08.11.09 A - Wien, Szene
13.11.09 Münster, Skaters Palace Cafe
14.11.09 Bochum, Riff
15.11.09 Wiesbaden, Schlachthof
17.11.09 München, Atomic Cafe
20.11.09 Bayreuth, Zentrum
21.11.09 CH - Bubikon, Rampe Club
22.11.09 CH - Basel, Sommercasino
26.11.09 Freiburg, Jazzhaus
27.11.09 Augsburg, Ostwerk
28.11.09 Tübingen, Sudhaus
29.11.09 Lindau, Club Vaudeville

Zum Gewinnspiel!
Mehr Infos: www.myspace.com/holunder2008 und www.blumentopf.com

Bandfotos: Blumentopf
Portrait & Parkfotos: Samak Bernhard Kitvarametha
Streetfoto: www.philpham.de
Livefotos: Yank

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